Arbeitsmarktbehörden stellen sich auf schwierigere Konjunkturlage ein
Thurgau – Rund 190 Vertreterinnen und Vertreter der Schweizer Arbeitsmarktbehörden sowie Gäste aus Politik und Wirtschaft haben sich zum ersten Kongress der Arbeitsmarktbehörden in der Kartause Ittingen (Thurgau) getroffen. - I.D.
Serge Gaillard, Seco, Bundesrat Johann Schneider-Ammann und der Thurgauer Regierungspräsident Kaspar Schläpfer am Kongress der Arbeitsmarktbehörden in der Kartause Ittingen. (Bild: zvg)
Bundesrat Johann N. Schneider-Ammann bezeichnete in seiner Ansprache die Sicherung von Arbeit und Beschäftigung als zentrale und gemeinsame Herausforderung für die sich abzeichnende schwierigere Konjunkturlage. Die vom Bundesrat vorgesehene Aufstockung der Arbeitslosenversicherung um 500 Millionen Franken zur Abfederung der Folgen der Frankenstärke sei ein starkes Signal an die Unternehmen, ihre Tätigkeiten im Land zu behalten, auch wenn Schwierigkeiten auftauchten, sagte Volkswirtschaftsminister Schneider-Ammann am „Tag der Arbeitsmarktbehörden“ vom 15. September 2011. Er machte damit klar, dass konjunkturell schwierigere Zeiten für die Schweiz zu erwarten seien. Die Schuldenkrise vieler Industrienationen schwäche das weltweite Wachstum; zusätzlich litten vor allem Exportwirtschaft und Tourismus unter der raschen und massiven Frankenaufwertung, sagte der Volkswirtschaftsminister. Kurzarbeit helfe den Unternehmen, diese Schwierigkeiten zu überbrücken und damit Arbeitsplätze zu erhalten. Sie sei ein geeignetes Mittel, Know-how in den Unternehmen zu halten und sich auf den nächsten Aufschwung vorbereiten zu können. Deshalb sei es richtig, der Arbeitslosenversicherung für dieses Instrument zusätzliche Mittel zur Verfügung zu stellen. Kaspar Schläpfer, Regierungspräsident des Kantons Thurgau, begrüsste die klare Haltung des Bundesrates zur Beschäftigungssicherung. Er stellt fest, dass sich der Arbeitsmarkt immer mehr zwischen Sockelarbeitslosigkeit und Fachkräftemangel bewege. Darum sei es richtig, dass man in Bundesbern vermehrt sein Augenmerk auf das inländische Potenzial an Fachkräften richten würde. Auch Serge Gaillard, Leiter der Direktion für Arbeit des SECO, wies auf die äusserst schwierige Wechselkurssituation hin, welche die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt eintrübt und den Sanierungspfad der Arbeitslosenversicherung gefährdet. Er hielt fest, dass die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) in den letzten Jahren ausgezeichnete Arbeit geleistet haben. Bei der mittelfristigen strategischen Ausrichtung der Arbeitsmarktpolitik erwähnte Gaillard u.a. das Verbesserungspotenzial im Bereich der Zusammenarbeit der RAV mit den Unternehmungen und der Sozialhilfe. Bei letzterem gehe es darum, arbeitsfähige Menschen aus allen sozialen Sicherungssystemen besser in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Dafür sei eine intensivere Zusammenarbeit speziell der Arbeitslosenversicherung mit der Sozialhilfe anzustreben. Weiter hob er die Bedeutung der Personenfreizügigkeit und der flankierenden Massnahmen für den Wirtschaftsstandort Schweiz hervor. Gesetzeslücken bei den Flankierenden Massnahmen seien zu schliessen, so Gaillard weiter. Den Arbeitsmarktbehörden in den Kantonen müssten Mittel gegeben werden, Verstösse besser ahnden zu können. Zum Anlass in der Nähe von Frauenfeld hatten der Verband Schweizerischer Arbeitsmarktbehörden (VSAA), das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) und der organisierende Kanton Thurgau eingeladen, um mit Vertreterinnen und Vertretern aus der Politik, der Wirtschaftsverbände und weiterer Institutionen zu diskutieren. Aktuelle gesamtwirtschaftliche Themen und deren Folgen für die Arbeitsmarktpolitik standen dabei im Zentrum.
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