Thurgau – Verschiedene Studien belegen ein erhöhtes gesundheitliches Risiko für Kinder von Migrationsfamilien aus verschiedenen Ländern. Mit dem Projekt Miges Balù soll die Chancengleichheit für ein gesundes Leben dieser Kinder verbessert werden. - I.D.
Miges Balù ist ein Projekt bei der Mütter- und Väterberatung im Kanton Thurgau. Migrationsfamilien mit Kindern sollen, wie alle jungen Eltern, von der bewährten Unterstützung durch eine Mütterberaterin profitieren können. Mütterberaterinnen unterstützen Familien mit Kindern ab der Geburt bis zum Kindergarteneintritt bei Fragen rund um Ernährung, Schlafen, gesunde Entwicklung, Stillen und Erziehen und verweisen sie, wenn nötig, an weitere Angebote im Gesundheits- und Sozialwesen. Im Beratungsalltag zeigt sich aber, dass Familien mit Migrationshintergrund die Beratungsstellen bedeutend weniger häufig aufsuchen als Schweizer Familien. Oftmals erschweren mangelnde Sprachkenntnisse und kulturelle Missverständnisse auf beiden Seiten ein optimales Beratungsgespräch.
Mittels interkultureller Vermittlung soll nun eine sprachliche und kulturelle Brücke für Migrationsfamilien zur bewährten Dienstleistung geschlagen werden. Ausgebildete Vermittlerinnen aus diversen im Thurgau relevanten Sprachgruppen können bei der Kontaktaufnahme und Beratung beigezogen werden. So werden Schwellenängste, Sprachbarrieren und Missverständnisse überwunden und die Teilnahme an einer Beratung erleichtert.
Ein Pilotprojekt
Auf Initiative des Kantonalen Aktionsprogramms «Thurgau bewegt», das von der Perspektive Thurgau umgesetzt wird, starteten die Mütter- und Väterberaterinnen im Kanton das Projekt Miges Balù. Caritas Thurgau stellt die Projektleiterin, welche die Schulung der Beraterinnen und die Ausbildung der interkulturellen Vermittlerinnen, sowie die ganze Projektorganisation gewährleistet.
Ausgangspunkt bildeten verschiedene Gesundheitsstudien, die Projektidee aus dem Kanton St. Gallen und eine Situationsanalyse bei den Beratungsstellen zur Erreichbarkeit der ausländischen Eltern im eigenen Kanton. Erwartungsgemäss bestätigte sich ein Bedarf an Massnahmen zur nachhaltigen Erreichbarkeit von Migrationsfamilien und deren Beratungsbedarf in den Bereichen Ernährung, Übergewicht, Bewegung, allgemeine Gesundheit, Zahngesundheit und frühe Förderung.
Oft kommen Migrantinnen erst kurz vor der Geburt des ersten Kindes in die Schweiz und verfügen über wenig Deutschkenntnisse und Erfahrungen im hiesigen Kontext. Eine frühestmögliche Sensibilisierung aller Eltern über grundlegende Themen der Gesundheitsförderung ist notwendig, um gesundes Verhalten in Familien herbeizuführen. Heute wissen wir zum Beispiel, dass bereits sehr frühe Erfahrungen von Kindern in Bezug auf das Essen und die Bewegung das spätere Gesundheitsverhalten massgeblich beeinflussen. Das Beratungsangebot der Mütter- und Väterberatung kann daher einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Gesundheit von Migrationsfamilien leisten.
Miges Balù soll einen befähigenden Prozess einleiten, damit Familien denen die Verhältnisse in der Schweiz noch wenig bekannt sind, die Verantwortung für ihre Gesundheit noch besser selber in die Hand nehmen können. Zugleich wirkt das Projekt auch integrativ, denn neben der Beratung bezüglich Essen und Bewegung kommen auch Themen wie „Wann soll ich einen Arzt aufsuchen?“, Wichtigkeit der Sprachförderung von Mutter und Kind, sowie allgemeine Vernetzungsmöglichkeiten im sozialen Umfeld zur Sprache.
Wichtig ist der Einbezug der Zielgruppen bei der Verbreitung und beim Ausbau des Angebots der Mütter- und Väterberatung, sodass vorhandene Barrieren zum Beratungsangebot nachhaltig überwunden werden können. Informationsblätter zum neuen Angebot Miges Balù in sechs Migrationssprachen finden sich unter www.muetterberatung-tg.ch.
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