Kreuzlingen/Konstanz – Pakete aus dem Ausland sorgen immer wieder für Unmut aufgrund ihrer Zusatzkosten. Mit den richtigen Vorkehrungen oder Mandy Kleins Adresse können Zollkosten verhindert werden. - Emil Keller
Mandy Klein bewahrt die Pakete bis zur Abholung sicher auf. (Bild: ek)
In einschlägigen Internetforen häufen sich Beschwerdebeiträge. Grund der Reklamationen: die Importverzollkosten der Post. Verärgerte Schweizer Kunden von ausländischen Internetshops berichten von horrenden Gebühren und willkürlicher Handhabung.
Seit dem 1. Oktober 2008 verzollen nicht mehr staatliche Zollbeamten Sendungen aus dem Ausland, sondern die schweizerische Post. Das hatte eine massive Preiserhöhung der Verzollungsgebühren von den ursprünglichen zehn auf 18 bzw. 35 Franken zur Folge. Begründet wurde der Aufschlag mit der Anstellung von rund 100 neuen Mitarbeitern. Hinzu kommen bei Sendungen aus dem Ausland noch Zollabgaben und die Mehrwertsteuer. Noch teurer wirds, wenn der Absender einen privaten Spediteur verwendet. Dann gelangen die Sendungen nämlich in den Kanal der «kommerziellen Privatverzollung». Dort liegen die Bearbeitungskosten zwischen 50 und 60 Franken.
Verhütungsmethoden
Gibt es also keine Möglichkeit Zusatzkosten beim Import zu vermeiden? Doch, denn liegt die Mehrwertsteuer unter fünf Franken, fallen keine Gebühren an. Waren bis 66 Franken können also problemlos bestellt werden. Was aber, wenn das gewünschte Schnäppchen weit mehr kostet? Oder es die Rarität nur im Ausland gibt, der Verkäufer aufgrund von schlechten Erfahrungen aber nicht in die Schweiz liefert? Entweder die Schweiz tritt in nächster Zeit der EU bei oder man nimmt Kontakt mit Mandy Klein auf. «Ich bin eher durch Zufall auf diese Idee gekommen. Ein Bekannter hat uns gefragt, ob wir ein Paket für ihn entgegennehmen. Der Absender aus Deutschland wollte nämlich nicht in die Schweiz liefern. Danach habe ich ein wenig im Internet recherchiert und gemerkt, dass sich viele über die hohen Zollgebühren der Schweiz beschweren.» Mandy Klein probierte daraufhin etwas aus. Sie inserierte auf Internetseiten, Pakete anzunehmen, so dass die Besteller diese anschliessend bei ihr abholen können. «Ich dachte, vielleicht ein-, zweimal im Monat etwas annehmen zu müssen. Ich erhielt dann auch ein bis zwei Anfragen, aber täglich», freut sich Klein.
Das System funktioniert folgendermassen: Man sieht etwas beispielsweise bei Ebay Deutschland. Um die ungewissen Zollkosten zu vermeiden, setzt man sich mit Mandy Klein über ihre Internetseite www.lieferadresse-konstanz.de in Verbindung. Klein registriert den Käufer und sendet ihre Adresse zurück. Der Verkäufer kann anschliessend das Paket nach Deutschland mit Hans Muster c/o Mandy Klein adressieren. Sobald die Sendung in Konstanz eintrifft, benachrichtigt Klein den Käufer, damit dieser sein Paket gegen einen kleinen Obolus abholen kann. «Dafür bekommt man bei mir aber immer einen Kaffee», lacht Klein.
Seit September bietet sie diesen Service an. «Die Nachfrage steigt, die Mundpropaganda wirkt». Mit ihrer Wohnung gleich am Bahnhof Konstanz hat sie auch die optimale Lage. «Die Leute kombinieren meistens einen Einkaufsbesuch in Konstanz mit einem Abstecher bei mir», schmunzelt sie. Die Wohnung ist geräumig genug für all die zu lagernden Pakete. Ausserdem ist Mandy Klein immer daheim oder organisiert eine Vertretung. «Meine Öffnungszeiten sind von 10 bis 24 Uhr.» Warum die Postgebühren so hoch sind, kann sie sich auch nicht erklären. Sie hat Geschichten gehört von Leuten, welche 180 Franken Gebühren zahlen mussten für ein 60-Euro-Paket oder dass jemand ein Vierteljahr auf das Paket warten musste. «Geht man mit der Sendung zu Fuss über den Zoll, passiert gar nichts, sendet man es per Post gibt’s eine Katastrophe», resümiert Klein. Ihr ist es recht so: «Das ist der spassigste Job, den ich bis jetzt hatte. Man trifft immer neue Leute und kann diesen einen Gefallen tun.»
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