Thurgau – «Europa reformiert sich. Europa bewegt sich. Und das ist positiv.» Diese Meinung vertrat der Chefanalyst der Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer, kürzlich in Weinfelden. Im Rahmen des Börsenapéros des Private Banking Mittelthurgau der Thurgauer Kantonalbank (TKB) äusserte sich der Finanzspezialist zur aktuellen Lage in Europa sowie zu den Aussichten auf den Finanzmärkten. - TKB
Die einschneidenden globalen Ereignisse im Jahr 2011 haben auch die Finanzmärkte stark beeinflusst. «Zahlreiche Meldungen, wie jene von den Protesten in der arabischen Welt, dem Atomunfall in Japan oder der Erhöhung der Schuldenlimite in den USA, liessen die Anlegerinnen und Anleger zunehmend vorsichtiger werden», betonte Hellmeyer in seinem Referat. Politik und Wirtschaft könnten heute nicht mehr getrennt voneinander betrachtet werden, denn die Politik greife immer tiefer in das Wirtschaftsgeschehen ein.
Vertrauen in den Euro
Ebenfalls zu grosser Verunsicherung habe bei den Anlegern die Schuldenkrise in Europa geführt. «Dabei wurden jedoch die positiven Faktoren einfach ausgeblendet», betonte der Finanzspezialist. Durch die Probleme rückten die europäischen Länder nämlich näher zusammen. Er sei sicher, so Hellmeyer, dass die politische Einheit Europas dazu beitrage, die Krise zu überwinden. Europa sei dabei sich zu reformieren. Es bewege sich. Das sei positiv. Gut findet Hellmeyer auch, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Spekulationen mit dem Schweizer Franken einen Riegel geschoben habe. Den Wechselkurs Euro/Schweizer Franken mit einer Untergrenze zu versehen, sei richtig und gut. Es zeige nicht zuletzt das Vertrauen, das die Verantwortlichen der SNB in den Euro haben.
Reformen durchgeführt Er sei sicher, so der Chefanalyst der Bremer Landesbank, dass das europäische Sorgenkind Griechenland auf einem guten Weg ist. Die Neuverschuldung des Landes konnte von 15,4 Prozent in Jahr 2009 auf 9 Prozent (2011) gesenkt werden. Reformen seien in administrativen Bereichen, in der Wirtschaftsstruktur wie auch im fiskalischen Bereich durchgeführt worden. 80 Prozent der Reformen seien erfüllt. «Aber die Menschen in Griechenland leiden», weiss Hellmeyer. «Wer beispielsweise arbeitslos werde, stehe vor dem Nichts, da es kein soziales Auffangnetz gebe.»
Zinserhöhung erst 2012
Wie schon in den letzten Jahren riet Folker Hellmeyer den anwesenden Gästen, in Edelmetalle zu investieren. Eine Zinserhöhung sagt der Analyst erst für Mitte 2012 voraus. Zudem glaubt er, dass sich auch Investitionen in Agrar-Rohstoffe wie auch Agrarflächen lohnen, da die Bevölkerung weiter zunehmen werde.
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