Thurgau – Im Jahr 2010 wurde im Kanton Thurgau erneut äusserst rege gebaut. Mit einem Anstieg um beinahe acht Prozent nahmen die Bauausgaben deutlich stärker zu als in der Gesamtschweiz und auch kräftiger als ein Jahr zuvor. Das Wachstum ist ausschliesslich auf den Wohnbau zurückzuführen. Dies geht aus den soeben erschienenen Statistischen Mitteilungen «Bautätigkeit 2010 und Bauvorhaben 2011» der Dienststelle für Statistik hervor. - I.D.
Für knapp 1,7 Milliarden Franken wurde im Kanton Thurgau 2010 gebaut. Das nominale Wachstum der Bauausgaben um 7,9 Prozent (CH: +4,3 Prozent) ist fast ausschliesslich auf den Hochbau zurückzuführen (+10,2 Prozent). Die anteilsmässig viel weniger gewichtigen Tiefbauausgaben nahmen hingegen um gut zehn Prozent ab.
Konjunkturresistenter Wohnungsbau
Das seit der Jahrtausendwende anhaltende Wachstum der Bauinvestitionen – mit einer Ausnahme im Jahr 2006 - setzte sich auch 2010 fort. Es ist zur Hauptsache auf den privaten Wohnungsbau zurückzuführen, der im Vergleich zu 2009 um satte 20 Prozent zulegte. Im Jahr 2010 wurden rund 80 Prozent der privaten Hochbauinvestitionen – wohl begünstigt durch die niedrigen Hypothekarzinssätze – für den Wohnungsbau verwendet. In den letzten zehn Jahren lag dieser Anteil durchschnittlich bei 72 Prozent, was die rege Bautätigkeit im Wohnungsbau 2010 verdeutlicht. Eine klare Abnahme der Investitionen um 53 Millionen Franken (-19 Prozent) gegenüber dem Vorjahr verzeichnete dagegen die Sparte Industrie, Gewerbe und Dienstleistungen.
Gebaut wird vor allem Neues
Die Umbauinvestitionen waren zwischen 2009 und 2010 zum zweiten Mal in Folge rückläufig, während das Neubauvolumen nach wie vor kräftig zulegte. 78 Prozent der Bauinvestitionen wurden 2010 im Neubau getätigt, die Jahre davor bewegte sich dieser Anteil stets um die 70 Prozent herum. Diese Zahlen widerspiegeln die enorme Neubautätigkeit im Kanton Thurgau.
1'881 Wohnungen in 775 neuen Wohngebäuden
Während des Jahres 2010 wurden im Kanton Thurgau 775 Gebäude mit Wohnungen fertig gestellt, wobei die 573 neuen Einfamilienhäuser den Grossteil der Neubauten ausmachen. In den neuen Gebäuden entstanden insgesamt 1'881 Wohnungen, rund 49 Prozent mehr als im langjährigen Mittel der letzten 15 Jahre. Am meisten Gebäude mit Wohnungen wurden 2010 in der Gemeinde Weinfelden fertig gestellt (51). Ähnliche hohe Werte erreichten nur die Gemeinden Frauenfeld (44) und Kreuzlingen (42). Da in Weinfelden die Mehrheit der Neubauten Einfamilienhäuser sind, entstanden dort insgesamt nur 177 neue Wohnungen. Den höchsten Wohnungszuwachs verzeichneten dagegen die Gemeinden Kreuzlingen (312) und Frauenfeld (198).
Rund 14 Prozent mehr Wohnbauten als vor zehn Jahren
Ende Dezember 2010 zählte der Kanton Thurgau rund 60'000 Gebäude mit Wohnnutzung, in denen insgesamt knapp 116'000 Wohnungen untergebracht waren. Innerhalb von zehn Jahren hat der Gebäudebestand um 7'340 Einheiten (+14 Prozent) zugenommen. Jedes siebte Wohnhaus im Kanton wurde also nach der Jahrtausendwende erstellt. Gut drei Fünftel des gesamten Wohngebäudebestands sind Einfamilienhäuser. Sowohl der prozentuale Zuwachs an Neubauten als auch der Anteil der Einfamilienhäuser am Gesamtgebäudebestand liegen im Kanton Thurgau über dem schweizerischen Durchschnitt. Seit Anfang der 1980er-Jahre hat sich die Wohnsiedlungsfläche im Thurgau um 61 Prozent ausgedehnt (CH: +43 Prozent).
Wohngebäude vermehrt mit Alternativenergien beheizt
Nach wie vor wird der grösste Teil aller Wohnbauten mit Erdöl beheizt (45 Prozent). Daneben haben Sonnenkollektoren und Wärmepumpen in den letzten 20 Jahren an Bedeutung gewonnen. Insbesondere bei den Wohnbauten, die nach dem Jahr 2000 gebaut wurden, spielen alternative Wärmeversorgungen eine grössere Rolle. Über 40 Prozent der zehnjährigen und jüngeren Einfamilienhäuser werden mit Wärmepumpen beheizt. Bei den Mehrfamilienhäusern haben die fossilen Energieträger nach wie vor eine grössere Bedeutung.
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