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Fr. 30. Dezember 2011 - 16:30 Uhr
Handlungsbedarf bei Zebrastreifen

Kreuzlingen – Schweizer Fussgänger sind aufgrund gefährlicher Fussgängerstreifen nach wie vor einem hohen Risiko ausgesetzt. Um dem entgegenzuwirken, greift der Bund nun Kantonen und Gemeinden unter die Arme. - Daniel Schaffhauser

Besonders gefährlich: Fussgängerstreifen bei Verkehrskreiseln.
 
Besonders gefährlich: Fussgängerstreifen bei Verkehrskreiseln.

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Sobald die Tage wieder kürzer werden, häufen sich die Unfälle auf den Schweizer Fussgängerstreifen. 2010 registrierte die Kantonspolizei Thurgau 25 Personen, die den Gefahren auf dem vermeintlich sicheren Zebrastreifen zum Opfer fielen. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung «bfu» stuft gar jeden zweiten Fussgängerstreifen in der Schweiz als gefährlich ein. Der Bund fordert nun die Kantone und Gemeinden zum Handeln auf.

Sicherer durch Sanierung
Die Serie an tragischen Unfällen ging auch am Nationalrat nicht spurlos vorbei. In der Wintersession stellte der Berner SP-Nationalrat Matthias Aebischer einen Antrag, um einen Teil der Bussgelder für die Sanierung von mangelhaften Fussgängerstreifen zu verwenden. Laut Aebischer müssten dafür rund 200 Millionen investiert werden. Die Grosse Kammer unterstützte zwar Aebischers Anliegen, lehnte aber die Finanzierung durch Bussgelder ab. Mit der Begründung, dass es «Sache der Kantone und Gemeinden sei, gefährliche Zebrastreifen sicher zu gestalten», begründeten die Gegner ihren Entscheid.
Aus Aebischers Anliegen folgt aber, dass der Bund den Kantonen und Gemeinden zur Unterstützung eine Unfalldatenbank und ein Analysetool zu Verfügung stellt, damit sie risikobasierte Überprüfungen starten können. Diese Massnahmen ermöglichen dem Besitzer der Strasse, besonders gefährliche Fussgängerstreifen zu lokalisieren und anschliessend zu verbessern.

Zu viele und zu gefährlich
Rudolf Dieterle, Direktor des Bundesamts für Strassen, kritisierte in einem Interview mit der SonntagsZeitung die hohe Anzahl an Fussgängerstreifen in der Schweiz: «Wir haben viel zu viele Fussgängerstreifen. Aus Sicherheitsgründen müssten wir zahlreiche eliminieren.» Der Touring Club Schweiz (TCS) hat dazu eine Studie durchgeführt und 100 Zebrastreifen in verschiedenen Schweizer Städten unter die Lupe genommen. Die Studie ergab, dass die Gestaltung der Strassenüberquerungen in den meisten Fällen ausreichend ist. Allerdings beobachtete der TCS, dass die Sichtbarkeit bei vielen nicht gewährleistet ist. Oft fehlt eine Beleuchtung und der Fahrzeuglenker kann einen Fussgänger nicht rechtzeitig wahrnehmen.
Zum Erstaunen der Tester herrscht immer noch allgemeines Desinteresse an neuen Technologien, welche die Zahl an Unfällen reduzieren könnte. Beispielsweise gibt es laut TCS in der Schweiz keinen Überweg, der mit einem Countdown-System ausgestattet ist.

 

Stadtrat Michael Dörflinger.
 
Stadtrat Michael Dörflinger.

Kreuzlinger Fussgängerstreifen
In der Studie des TCS wurden auch die Fussgängerstreifen in Frauenfeld unter die Lupe genommen. Die Hauptstadt schnitt im schweizweiten Vergleich als eine der besten ab. Etwas anders sieht es in Kreuzlingen aus. «Die Zebrastreifen in Kreuzlingen sind bezüglich der Sicherheit nicht besonders hervorzuheben», sagt Michael Dörflinger, Stadtrat Departement Bau. Die Stadt am See besitzt aber den Vorteil, dass in besonders heiklen Zonen wie in Wohngebieten flächendeckend 30er-Zonen vorhanden sind. Dadurch wird das Tempo der Fahrzeuglenker etwas gedrosselt. «Diese Zonen benötigen im Prinzip keine Fussgängerstreifen. Der Fussgänger kann die Strasse überall überqueren», analysiert Dörflinger die Lage. Jetzt da der Bund Kantone und Gemeinden zum Handeln aufruft, werden auch in Kreuzlingen sämtliche Fussgängerstreifen überprüft. «Ich kann mir vorstellen, dass nun gefordert wird, sämtliche Fussgängerstreifen in 30er-Zonen zu eliminieren. Ob diese Massnahme tatsächlich für mehr Sicherheit sorgen, wage ich zumindest etwas zu bezweifeln», so Dörflinger. Zusätzlich wird die Stadt versuchen, Fahrzeuglenker vermehrt auf gefährliche Fussgängerstreifen aufmerksam zu machen. Vor allem sei hier bei der Beleuchtung Verbesserungspotenzial vorhanden.
Laut Dörflinger müssen aber sämtliche beteiligten Parteien ihren Beitrag leisten: Die Kommunen können baulich reagieren, die Autofahrer sollten mehr Aufmerksamkeit aufbringen und die Fussgänger sich entsprechend kleiden sowie nicht blind auf ihr Vortrittsrecht vertrauen. Die Stadt Kreuzlingen wird künftig auch mit den durch den Bund zur Verfügung gestellte Hilfsmittel zur Reduzierung von gefährlichen Fussgängerstreifen arbeiten. Die Methode bietet zwar gewisse Vorteile, dennoch kritisiert Dörflinger daran, dass die gefährlichen Zonen erst im Nachhinein festgestellt werden können: «Solange wollen wir nicht warten und aktiv an Verbesserungen arbeiten.»

 
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