Thurgau – Die Zeit für den insgesamt vierten Bundesrat aus dem Kanton Thurgau ist offenbar noch nicht reif. Nationalratspräsident Hansjörg Walter aus Wängi blieb mit seiner Kandidatur bei den Gesamterneuerungswahlen des Bundesrats ohne Erfolg. - ID
Zufriedene Gesichter trotz verlorener Wahl: Bundesratskandidat Hansjörg Walter mit seiner Gattin Madeleine. (Bild: zvg)
In der Geschichte des schweizerischen Bundesstaats seit 1848 stellte der Kanton Thurgau bisher drei Bundesräte: Fridolin Anderwert (1876 – 1880), Adolf Deucher (1883 – 1912) und Heinrich Häberlin (1920 – 1934). Seit dem Rücktritt von Heinrich Häberlin im Jahre 1934 – also seit 77 Jahren – wartet der Thurgau auf seinen vierten Bundesrat. Aus dieser Sicht wäre die Wahl von Hansjörg Walter in den Bundesrat durchaus denkbar gewesen. Dagegen sprach allerdings die derzeitige politische Konstellation. Der Angriff der SVP mit Hansjörg Walter auf den Sitz von BDP-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf scheiterte klar. Die Bündnerin erreichte 131 Stimmen und damit mehr als doppelt so viele wie Hansjörg Walter. Nachdem die SVP ihren Sitz mit Ueli Maurer klar verteidigen konnte, kündigte sie an, in den verbleibenden Wahlgängen mit Jean-François Rime gegen alle Bisherigen anzutreten. Hansjörg Walter hingegen stellte sich für weitere Wahlgänge nicht mehr zur Verfügung. Damit war das Rennen um einen Bundesratssitz aus Thurgauer Sicht gelaufen.
«Eine Grundenttäuschung für die Fraktion und die Partei ist da», stellte der SVP-Politiker nach geschlagener Schlacht vor der Thurgauer Delegation unter Führung von Regierungsvizepräsidentin Monika Knill fest, «persönlich bin ich aber nicht enttäuscht.» Er habe selber entschieden, sich aus dem Rennen zu nehmen, und er wolle nun seine ganze Kraft und Konzentration auf das Nationalratspräsidium ausrichten. Im Namen der Thurgauer Regierung sprach ihm Monika Knill den Dank und die Anerkennung dafür aus, dass er sich für die Bundesratswahl zur Verfügung stellte. «Wir sind zwar mit Hoffnungen nach Bern gereist, wir waren aber auch realistisch genug, dass wir mit diesem Wahlausgang gerechnet haben», sagte die Regierungsvizepräsidentin. Hansjörg Walter bedankte sich bei allen und insbesondere bei seiner Frau Madeleine für die Unterstützung und schloss mit den Worten: «Ich wünsche mir jetzt, dass der Parlamentsbetrieb gut läuft. Ich freue mich auf die Arbeit als Nationalratspräsident.»
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