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Fr. 27. August 2010 - 17:03 Uhr
Iaido – Der Weg des Schwertes

Kreuzlingen – Shihan David Perez lehrt in Kreuzlingen traditionellen japanischen Samurai-Schwertkampf. Er ist in der Stilrichtung Seishin-ryu Iaido der höchste Dan-Träger weltweit. - Clemens Pecher

Die Klingen, die im Training zum Einsatz kommen, sind stumpf. Das Verletzungsrisiko wird so minimiert und ist sehr gering. (Bild: cp)
 
Die Klingen, die im Training zum Einsatz kommen, sind stumpf. Das Verletzungsrisiko wird so minimiert und ist sehr gering. (Bild: cp)

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Es benötigt Kraft, Ausdauer und vor allem Fachwissen, um ein hochwertiges Katana zu schmieden. Wochenlange Arbeit ist dazu nötig, bevor der Stahl in bis zu 30000 Schichten eine scharfe und stabile Klinge bildet. Diese zu beherrschen braucht noch weit länger als die Wochen der Herstellung. David Perez, Grossmeister der Seishin-ryu-Schule, widmet sich bereits seit 25 Jahren dem traditionellen japanischen Schwertkampf (Iaido) und unterrichtet in Kreuzlingen.

Nichts für Jedermann
So aussergewöhnlich das Erlernen des «Wegs des Samurai» ist, so gering an Zahl sind die Schüler. «Iaido ist nichts für jedermann», weiss denn auch der Grossmeister David Perez, der als Rettungssanitäter am Kantonsspital Münsterlingen beruflich tätig ist. Das hält ihn aber nicht davon ab, praktisch ehrenamtlich eine Handvoll Schüler zu unterrichten. «Iaido hat meditativen Charakter, ist sehr Zen-verbunden. Es geht nicht darum, sich im Training mit den Waffen zu kloppen.» Obwohl David Perez selber im Alter von zwölf Jahren zum Iaido fand, hält er den Schwertkampf für kinderungeeignet.
«Iaido» übersetzt er etwa mit «Der Weg im Hier und Jetzt zu sein». Allerdings gibt es dazu mehrere Auslegungen.

Gekleidet in die traditionellen Gewänder, die schlicht und dunkel sein müssen, treten die Schüler aus dem 21. Jahrhundert und begeben sich geistig in das 16. Jahrhundert. Aufnäher, früher die Familienwappen, signalisieren Rang und Zugehörigkeit zu einer Schule.

Grossmeister
Gab es in Japan einst rund 2000 verschiedene Schwertkampf-Stile so ging die Zahl durch das Verbot des Schwerttragens Anfang des 20. Jahrhunderts stark zurück. Heute sind es gerade mal noch knapp 40 Stile, die offiziell registriert sind. Durch das traditionell familieninterne Weitergeben der Kampfkunst wurde das Verschwinden der Stile begünstigt.
In einem der Stile, dem Seishin-ryu, ist David Perez der Grossmeister. Er trägt den 7. Dan und steht vier Schulen vor, wovon sich eine in Spanien befindet und eine eben in Kreuzlingen. Ein höherer Dan wird ab dem sechsten nicht mehr durch Prüfung erlangt, sondern durch das Erbringen besonderer Leistungen gegenüber der Schule.

Durch den meditativen Charakter dient Iaido den Schülern auch zum Abschalten vom Alltag, zum Energie tanken. «Man macht das für sich selbst, nicht um sich mit anderen zu messen. Iaido ist eine Kampfkunst, kein Kampfsport», erklärt David Perez. «Katas» nennen sich die Bewegungsabfolgen, die durch immerwährende Wiederholung perfektioniert werden. Wer sich an ihnen versuchen will, der muss an den Grundtechniken vorbei, an Schlag- und Block-Technik.

Stumpfe Klingen

Trainingskämpfe, in denen das Erlernte angewandt wird, werden mit stumpfen Klingen oder mit Holzschwertern absolviert, je nach Können. Das Dojo, die «Halle der Erleuchtung», soll dafür den nötigen Rahmen bieten. Zeremoniell spielt dabei eine nicht geringe Rolle.

So wird etwa ein Schwert nicht als reiner Gegenstand übergeben, sondern stets mit einer respektvollen Verbeugung. «Im Schwert ruht die Seele des Samurai, sagt man», so der Grossmeister. «Das gebietet einen respektvollen Umgang.»

Westen vs. Osten
Auch neben dem Meditativen unterscheidet sich der japanische Schwertkampf grundlegend vom europäischen. Wo Breitschwerter auf Kraft setzen, wird das Katana aufgrund seiner exzellenten Schnittfähigkeiten locker geführt. Es steht die Perfektion der Bewegungen im Vordergrund. Dadurch könnte im Idealfall die Bewegung des Schwert-Ziehens bereits den Tod des Gegners und damit den Sieg bringen. Kraft als auch Ausdauer sind beim Iaido also zweitrangig. Der Aspekt der geistigen Disziplin ist neben dem körperlichen praktisch die zweite Säule, lernt man Iaido doch kaum zu Selbstverteidigungszwecken.

Wer sich selbst am Katana versuchen möchte, der kann das bei einem kostenlosen Probetraining tun. «Es stellt sich schnell heraus, wer der Kampfkunst wirklich etwas abgewinnen kann», weiss David Perez aus Erfahrung. Diejenigen aber, die dabei bleiben, tauchen meist tief ein, in die Welt der japanischen Elitekrieger.
Informationen und Kontakt: info@iaido.biz oder auf www.iaido.biz   

David Perez (r.) beim Training von Entwaffnungstechniken. (Bild: cp)
 
David Perez (r.) beim Training von Entwaffnungstechniken. (Bild: cp)




 
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