Investitionen in Gesundheitsförderung machen sich bezahlt
Gesundheit – Investitionen in die Gesundheitsförderung machen sich bezahlt. Dieses Fazit zogen die Referenten an der letzten Sommermedienfahrt am Donnerstag (12. August) in Weinfelden. In den Räumen des Gemeindezweckverbandes «Perspektive Thurgau» wurde über das Konzept Gesundheitsförderung Thurgau sowie dessen Umsetzung informiert. - ID
Mathias Wenger, Kantonsarzt-Stellvertreter: «Nicht nur in die Individualmedizin, sondern auch in die Prävention investieren.»
«Geld ist ein riesiges Thema», betonte Kantonsarzt-Stellvertreter Mathias Wenger in seinem Überblick über das öffentliche Gesundheitswesen. Dabei werde allerdings oft vergessen, dass die Leistungen der Medizin nur rund 30 Prozent der Dimension «Gesundheit» ausmache. Der Hauptteil von 70 Prozent setze sich aus biologisch- genetischen Faktoren, Lebensstil und Gesundheitsverhalten sowie natürliche und soziale Umwelt zusammen. Dabei könne das öffentliche Gesundheitswesen («Public Health») eine entscheidende Rolle spielen. Gemäss WHO verstehe man unter Public Health ein soziales und politisches Konzept, das durch Gesundheitsförderung, Krankheitsprävention und andere Interventionen auf Verbesserung von Gesundheit, Lebensverlängerung und Erhöhung der Lebensqualität der Bevölkerung abzielt.
«Mit Investitionen in die Gesundheitsförderung kann also ein grosser Nutzen erzielt werden», führte Wenger aus, denn «70 Prozent der Gesundheit ist Public Health.» Hauptträger der Umsetzung der Public-Health-Ziele im Kanton Thurgau ist der Gemeindezweckverband Perspektive Thurgau. Er ist aus dem Zusammenschluss der regionalen Suchtverbände entstanden und wird zu drei Vierteln durch den Kanton und zu einem Viertel durch die Gemeinden finanziert. «Perspektive Thurgau hat für die Gesundheitsförderung den gleichen Stellenwert wie die Spital Thurgau AG für den medizinischen Bereich», erklärte Wenger.
Allerdings sei der Einsatz der finanziellen Mittel sehr unterschiedlich. Während der medizinische Bereich vom Kanton mit rund 130 Mio. Franken jährlich unterstützt werde, betrage der Umsatz von Perspektive Thurgau derzeit nur gerade vier Millionen Franken. Der Zweckverband, dem neben dem Thurgauer Gemeinden auch Kirch- und Schulgemeinden angehörten, sei das ideale Gefäss für sozialmedizinische sowie sozialpsychiatrische Aufgaben und ermögliche dem kantonsärztlichen Dienst, nahe bei den Menschen zu sein.
Judith Hübscher Stettler, kantonale Beauftragte für Gesundheitsförderung, Prävention und Sucht, rief die auch in den Regierungsrichtlinien verankerten Ziele im Bereich der Gesundheitsförderung in Erinnerung. Sie betonte, alle Massnahmen müssten darauf ausgerichtet sein, die Menschen zu befähigen, Verantwortung für ihre Gesundheit zu übernehmen. Als eine grosse Herausforderung bezeichnete sie die Stärkung der psychischen Gesundheit und die Verringerung von stressbedingten Krankheiten. Das Projekt «Bündnis gegen Depression» werde dabei bis Sommer 2011 weiter geführt.
Gemäss Markus van Grinsven, Geschäftsleiter von Perspektive Thurgau, hat sich die Vereinheitlichung mit sechs Standorten im Thurgau und die Konzentration der zentralen Dienste in Weinfelden positiv auf die Organisation ausgewirkt. Insgesamt 41 Festangestellte und Freischaffende seien für Perspektive Thurgau tätig, hauptsächlich in den Bereichen Jugend-, Paar- und Familienberatung, Gesundheitsförderung und Prävention sowie Suchtberatung.
Doris Grauweiler, Bereichsleiterin Gesundheitsförderung und Prävention, sowie die Fachfrauen Monika Brechbühler und Barbara Dudli stellten anschliessend Angebote und konkrete Projekte vor. Unter der Bezeichnung «Femmes Tische» erhalten Erziehende Gelegenheit, sich unter der Leitung von Moderatorinnen mit Themen wie Pubertät, Mobbing oder Rassismus auseinander zu setzen. Bei «Smartconnection» leiten Jugendliche junge Partygänger an, wie genussvolles Feiern auch ohne überbordenden Alkoholgenuss möglich ist.
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