Salenstein – Umbauarbeiten im sogenannten Prinzenflügel von Schloss Arenenberg förderten jüngst einen unerwarteten und sensationellen Fund zutage. Ein „Kaiserlicher Badesaal“ mit Badeofen und einem für die Zeit einzigartigen Tauchbecken erlauben einen Blick in die Hygienevorstellungen und Sanitärtechnik der kaiserlichen Familie. - Napoleonmuseum
Zentrum der Entdeckung ist das Tauchbecken. (Bild: zvg)
Das Relief des gekrönten Adlers weist Reste einer Vergoldung auf. (Bild: zvg)
Seit Anfang des Jahres wird die Dependance von Schloss Arenenberg, in dem heute das Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg untergebracht ist, renoviert. Unter den Kücheneinbauten stießen Bauforscher, Restauratoren und Archäologen dabei auf unerwartete Funde. Neben einem Badeofen und den Fundamenten eines Küchenherdes entdeckten sie am südlichen Ende des Flügelgebäudes einen „Kaiserlichen Badesaal“. In dem 20 Quadratmeter großen Raum legten sie eine farbig gefasste Stuckdecke, Reste der Wandbemalung und Täfelung sowie einen Sandsteinfussboden frei.
Zentrum der Entdeckung ist ein drei Meter langes, 1,3 Meter breites und 1,2 Meter tiefes Tauchbecken. In den Boden eingelassen und mit weiß glasierten Tonkacheln ausgelegt erleichterte ein fünfstufiger Zugang am Fußende den Einstieg in das Kaiserbad. Das Kopfende ziert eine Kachel mit in Relief gefertigtem, gekröntem Adler, der Reste einer Vergoldung aufweist. Ebenfalls golden war ein Geländer, das ursprünglich das Becken umfasste, von dem aber keine Spuren mehr vorhanden sind.
Die durch das Amt für Archäologie, den vor Ort tätigen Restaurator, die am Bau beteiligten Handwerker und das Napoleonmuseum Thurgau zutage geförderten Befunde sind nicht nur für den Kanton Thurgau sondern europaweit einzigartig. Badeeinrichtungen dieser Art sind für das 19. Jahrhundert bis dato nicht belegt.
Anhand eines erhaltenen Malerbuches, dem Rechnungsbuch eines 1855 mit der Renovierung beauftragten Handwerkers, und der Inventare von Schloss Arenenberg sollen Kaiserbad und Saal nun restauriert werden. Das originale Badmobiliar blieb in den Sammlungen des Napoleonmuseums erhalten und ermöglicht eine weitestgehend vollständige Rekonstruktion. Ab Frühjahr 2011 soll das Kaiserbad den Besuchern des Napoleonmuseums im Rahmen von Sonderaustellungen zugänglich sein.
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