Kreuzlinen – Am kommenden Sonntag, 19. Februar, findet in Kreuzlingen der erste Thurgauer Singtag der Evangelischen Landeskirche statt. Eine mit Musikern und Theologen besetzte Spurgruppe der Kirchenmusikkommission hat im Rahmen des Projekts «Popularmusik 12» gemeindetaugliche Lieder für Gottesdienste ausgewählt. Sie werden am Singtag vorgestellt. Zum familienfreundlichen Anlass gibt es ein eigenes Kinderprogramm. - Brunhilde Bergmannn
Der Singtag ist öffentlich und findet von 14 Uhr bis 17.30 Uhr im Kirchgemeindehaus, Bärenstrasse 25, in Kreuzlingen statt. (Bild: zvg)
Kirchenmusikerin Judith Keller aus Kesswil lebt ihre Berufung: Kinder und Musik. Deshalb liegt das Kinderprogramm am kantonalkirchlichen Singtag in Kreuzlingen in ihrer Hand. Die Pianistin und Organistin weiss: populäre Kirchenmusik im Gottesdienst erfreut sich wachsender Beliebtheit, vor allem bei jüngeren Menschen. Popularmusik soll keine Vorurteilsgräben festigen, sondern Brücken bauen. Weil Kinder Brückenbauer zwischen den Generationen sind, misst Keller ihnen in Gottesdiensten und am Singtag besondere Bedeutung zu.
Kulturpreis des Rotary-Club für Kinderchorleitung
Judith Keller liebt Kinder: „Sie sind spontan, lebendig und halten dich auf Trab. Du weisst nie, was kommt, machst einen Plan, musst aber bereit sein, alles über den Haufen zu schmeissen.“ Sie muss es wissen. Jahrelang hat sie den Kinderchor der Evangelischen Kirchgemeinde Amriswil geleitet, der unter ihrer Führung zahlenmässig explodiert ist. Keller hat den Chor daraufhin in zwei Altersgruppen, den „Spätzlichor“ ab Spielgruppenalter und den Kinderchor ab Schulalter, geteilt. Als Anerkennung für ihre Arbeit mit beiden Kinderchören, wurde ihr im Jahr 2007 der Kulturpreis des Rotary-Club Oberthurgau überreicht. Dass eine nichtkirchliche Organisation ihre kirchliche Arbeit beachtet und geschätzt hat, freut die Mutter zweier Söhne ganz besonders.
Begeisterung als Bestätigung
Ihr Orgeldiplom erlangte Judith Keller mit der Note sehr gut. Aufgrund ihrer Ausbildung an der Musikakademie St. Gallen in den Bereichen populäre Kirchenmusik, instrumental- und Chorleitung, wurde sie bei der Kantonalkirche St. Gallen zur Förderung populärer Kirchenmusik angestellt. Sie ist in verschieden Projekten von Kirchgemeinden tätig, vorwiegend am Klavier begleitet sie Jugendgottesdienste und leitet Chöre mit Personen in jedem Alter. Die Begeisterung, sowohl bei Mitwirkenden wie bei Gottesdiensbesuchenden, ist für Keller immer wieder Bestätigung, dass sie zu ihrer Berufung gefunden hat.
Judith Keller ist eine musikalische Persönlichkeit, die mit Hingabe und Leidenschaft Kinder für Musik begeistern kann. So konnte sie schon öfters entdecken, dass Kinder durch musikalische Anleitung, wenn sie frei von Wertung und Leistungsdruck ist, Qualitäten hervorbringen können, die ihnen bisher abgesprochen worden sind. «Gemeinsam singen und musizieren kann auch sogenannt schwache Kindern in ihrem Selbstwertgefühl bestärken und sie so an sich selber wachsen lassen.» Ist Keller überzeugt. Auch am Singtag in Kreuzlingen möchte sie den Kindern ermöglichen, das Lied übers Ohr zu begreifen und mit allen Sinnen zu erfühlen. Ihr Ziel ist es, den Kindern Spass zu bereiten, sie mit Freude an neues Liedgut heranführen und einen gemeinsamen Abschluss mit Kindern und Erwachsenen durchzuführen.
Da der Singtag offen und ohne Anmeldung ist, bereitet sich Keller auf Kinder in jedem Alter vor - mit und ohne musikalische Erfahrung. So wird sie ein ganzes Bündel zeitgenössischer Lieder parat haben und spontan entscheiden, was bezüglich Text und Singbarkeit am besten geeignet ist. Schliesslich sollen die Kinder auch die Bedeutung des Liedes erfassen können. Dass sie Freude haben und spüren werden: «Ich kann das - wir können das!», daran zweifelt Keller nicht.
Eine griffige Definition für kirchliche Popularmusik weiss auch Keller nicht, aber sie kann beschreiben, was sie selbst darunter versteht. Popularmusik entspricht dem breiten Geschmack vieler Altersgruppen, ist aber besonders unter der jüngeren Generation beliebt und wird über die Unterhaltungsmedien verbreitet. Im kirchlichen Bereich zeigt sich ihre Vielfalt in Musikstilen wie Gospel, Jazz, Blues, Rock oder Pop mit religiösen Texten. «Unterschiedliche Generation drücken sich mit unterschiedlicher Musik aus, die Predigt von heute entspricht auch nicht mehr dem Stil wie vor 100 Jahren», vergleicht sie. Wichtig ist ihr dabei, dass der Einbezug von Popularmusik im Gottesdienst keine Gräben festigt, sondern Brücken schlägt: «Wenn Musik und Wort sich ergänzen, hilft dies den Leuten, dass sie das Gehörte setzen lassen und die Botschaft des Gottesdienstes besser verinnerlichen können.»
Keine Eintagsfliege auf der Kinderbrücke Was sie sich persönlich für den Singtag wünscht? „Dass junge Eltern an den Singtag kommen und ihre Kinder mitbringen. Dass Grosseltern ihre Kinder und Enkel ermutigen und alle mitmachen. Hauptsache, die Kinder kommen! Denn sie sind Brückenbauer zwischen den Generationen“. In erster Linie hofft die Musikerin aber, dass die neuen Lieder überleben können und keine Eintagsfliege sind.
Der Singtag ist öffentlich und findet von 14 Uhr bis 17.30 Uhr im Kirchgemeindehaus, Bärenstrasse 25, in Kreuzlingen statt.
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