Sexualität – Die Aids-Hilfe Schweiz lancierte ein Jugendkondom mit speziell verengter Öffnung, das auch Jugendlichen passenden Schutz bietet. Prompt regt sich Kritik an einer falschen Sexualmoral. - Stefan Böker
Das Mini Kondom sorgt für Diskussion. (Symbolbild)
Die Aids-Hilfe Schweiz und Ceylor lancierten Anfang Monat das «ceylor Hotshot» – ein speziell für Jugendliche entwickeltes Kondom mit verengter Öffnung. Zusammen mit einem Standard-Präservativ wird es in den sexualpädagogischen Aufklärungunterricht eingebunden. «Spass nach Mass» heisst das Präventionsprojekt, in dessen Rahmen es kostenlos an Schulen verteilt wird. Gegner witterten prompt den Skandal, beklagten den Verfall der Sexualmoral und betitelten den Verhütungsschutz reisserisch als «Kinderkondom». Durch die kostenlose Verteilung würden Jugendliche unter Druck gesetzt, frühzeitig Sex haben zu müssen.
Das Jugendkondom lehre die Jugendlichen den verantwortungsbewussten Umgang mit ihrer Sexualität, begründet die Aids-Hilfe ihre Vorbeugungsmassnahme. «Bisherige Medienberichte haben unsere Intention mit dem Schlagwort ‹Kinderkondom› in ein falsches Licht gerückt», sagt Bettina Maeschli, Mediensprecherin der Aids-Hilfe Schweiz. «Das Kondom wurde nicht ausschliesslich für spezielle Altersgruppen gemacht. Ausschlaggebend waren anatomische Gründe.»
Size matters
«Viele Jugendliche wissen gar nicht, dass es verschiedene Grössen gibt», so Maeschle. Dabei sind Kondome und deren Handhabung Teil der Sexualaufklärung, auch an Kreuzlinger Schulen. Oftmals werden Fachleute der Aids-Hilfe Thurgau ergänzend hinzugezogen oder stellen Hilfsmittel wie den «Verhütungskoffer». Das Jugendkondom kann als ein solches Hilfsmittel betrachtet werden. Es gibt den Anstoss zu Gesprächen über Präservativgrössen und richtiges Schutzverhalten zwischen Fachleuten und Jugendlichen
«Ich glaube nicht, dass Jugendliche dadurch animiert werden, sexuellen Kontakt aufzunehmen», sagt der Kreuzlinger Schulpräsident Jürg Schenkel. «An Inhalte sexueller Art, beispielsweise einschlägige Internetseiten, kommen die Jugendlichen auch so.» Aufklärungsunterricht an den Schulen sei sehr wichtig: «Dort haben wir die Möglichkeit, ein Thema zu versachlichen, das immer noch tabuisiert ist oder innerhalb der Familie zu peinlichen Situationen führen kann.»
In der Tat werden die meisten Jugendlichen durch die Schulen aufgeklärt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Online-Befragung, welche die Universität Basel im Auftrag der Eidgenössischen Kommission für Kinder- und Jugendfragen (EKKJ) durchführte. In Kreuzlingen wird in der Primarschule erstmals aufgeklärt, später in der Oberstufe vertieft. «Ich glaube, es wird genügend aufgeklärt. Ein Problem, das ich sehe, ist aber: Haben die Jugendlichen zum richtigen, notwendigen Zeitpunkt einen Gesprächspartner, dem sie vertrauen und an den sie sich hilfesuchend wenden können», sagt Herbert Kammacher, Schulleiter im Oberstufenzentrum Egelsee. «Die beste Lösung wäre es, wenn Eltern ihre pädagogische Verantwortung in dieser Frage wahrnehmen würden. Aber darauf können wir uns nicht verlassen.»
Marketing-Gag?
Die EVP wehrt sich in einer Medienmitteilung gegen Kampagnen wie «Spass nach Mass». Kinder würden durch solche Aktionen in ihrer sexuellen Entwicklung überfordert werden. «Mir erscheint die Diskussion etwas zu gewollt», mutmasst Jürg Schenkel. «Vielleicht steckt auch einfach eine Marketing-Strategie dahinter.»
«Das Jugendkondom kann auch von Erwachsenen benutzt werden», sagt Bettina Maeschle. Laut Hersteller Ceylor entspricht das «Hotshot» den Bedürfnissen vieler Männer und Jugendlicher, denen Standardpräservative zu gross sind. «Auf dem Schweizer Markt gab es ein solches Kondom in dieser Ausführung bisher nicht», sagt Ceylor-Produktmanagerin Daniela Beyerle. «Wir erwarten nicht den gleichen Umsatz wie bei den Standardgrössen. Es mag ein Nischenprodukt sein, jedoch eines, nach dem ein Bedürfnis besteht.»
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