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Sa. 13. März 2010 - 09:01 Uhr
«Nicht bequem, aber spannend»

Bezirksgericht – Die Kandidatin der SP für die Wahlen im Juni, Ruth Faller Graf, über die Herausforderungen des Richteramts und kommende Aufgaben, die sie im Falle ihrer Wahl erwarten werden. Mit Einführung der Bezirksreorganisation bekommt das Bezirksgericht Kreuzlingen einen zusätzlichen Berufsrichter. Die SP stellt die Frauenfelderin Ruth Faller Graf zur Wahl. - Stefan Böker

Die Juristin Ruth Faller wurde von der SP als Kandidatin nominiert. Mit dem Gericht ist sie vertraut: Sie arbeitet dort bereits als Gerichtssekretärin. (Bild: sb)
 
Die Juristin Ruth Faller wurde von der SP als Kandidatin nominiert. Mit dem Gericht ist sie vertraut: Sie arbeitet dort bereits als Gerichtssekretärin. (Bild: sb)

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KreuzlingerZeitung: Frau Faller, wenn Sie gewählt werden, müssten Sie in den Bezirk Kreuzlingen umziehen. Was bedeutet die Nominierung, dieser Schritt, für Sie?
Ruth Faller: Ich habe mich sehr über die Nominierung gefreut. Überrascht war ich nicht, denn ich hatte mich darum beworben. Es ist ein wichtiger Schritt, eine Auszeichnung, die zeigt, dass die Partei hinter mir steht. In Kreuzlingen habe ich fünf Jahre gewohnt und meine Ausbildung gemacht. Seit 2003 arbeite ich jetzt hier. Mit einem Umzug würde ich also kein Neuland betreten müssen.

Was reizt Sie besonders an dem Amt? Warum wollen Sie Richterin werden?
Ich bin gerne Teil der Gesellschaft und möchte einen Beitrag an diese leisten. Der Justiz und der Rechtsstaatlichkeit fühle ich mich verbunden. Ausserdem interessiert mich der Umgang mit Menschen, deren Anliegen und Konflikte. In der ersten Instanz hat man ja viel mit Privatleuten zu tun, es ist bürgernah. Ich freue mich, wenn ich helfen oder einen Streit beilegen kann.

Für welche Bereiche wären Sie zuständig? Welches ist der schwierigste Teil bei der Arbeit als Richterin?
Grundsätzlich würden alle Bereiche ausser Verwaltungsrecht und Spezialgesetzgebung in meinem Bereich liegen, vor allem Familien-, Straf-, Miet-, Arbeitsrecht, Schuldbetreibung und Konkurs (SchKG) und Forderungen. Ganz allgemein ist es Aufgabe der Richterin, Recht zu sprechen und zu entscheiden. Schwierig kann es sein, wenn ein Entscheid gefällt werden muss, der einer oder beiden Parteien weh tut, und keine andere Möglichkeit gegeben ist, obwohl beide Standpunkte nachvollziehbar sind.

Gibt es Parallelen zu Ihrer bisherigen Arbeit? Werden Sie bestimmte Aspekte Ihrer jetzigen Tätigkeit vermissen?
Ich werde nicht mehr als Anwältin arbeiten dürfen. Aber als Gerichtssekretärin bin ich bereits jetzt Teil des Bezirksgerichtes und mache die Arbeit mit grosser Freude. Ich konzentriere mich lieber auf das, was mich erwartet, als auf das, was ich vermissen könnte.

Wie viele Prozesse würden Sie pro Jahr haben?
Unser Bezirksgericht bewältigt über 500 neue ordentliche Prozesse im Jahr. Dazu kommen die summarischen Verfahren und die Verfahren im Schuldbetreibungs- und Konkursrecht, was ebenfalls einige hundert Fälle im Jahr sind. Diese Fälle müssen auf die Berufsrichter aufgeteilt werden. Wie viele es für mich sein werden, kann ich nicht sagen.

Viele sagen, der Beruf des Richters sei ein bequemer Job. Stimmt das?

Es ist nicht so, dass gemütliche Gerichtssitzungen den Alltag bestimmen. Alltag sind vielmehr verschiedene Verfahren, Verfügungen und zeitlicher Druck. Es ist nicht bequem, aber spannend.

Haben Richter Angst vor Racheakten?
Nein, eigentlich nicht. Ich weiss, dass es Zwischenfälle gibt und gegeben hat. Letztendlich ist es Berufsrisiko, da Richter an exponierter Stelle stehen. Manchmal fliegen die Emotionen. Aber auch dann halten sich die Leute meist an die Rechtsstaatlichkeit.

Fühlt man sich bei einem Urteil immer wohl, oder bereut man im Nachhinein schon mal ein Urteil?

Es gibt Ermessensentscheide und Entscheide, bei denen man sich schwer tut, gerade bei Indizienprozessen. Aber bereuen? Nein. Es ist die Aufgabe des Gerichtes, zu entscheiden, und dies wird von den Parteien auch erwartet.

Was halten Sie von Gerichtsshows im Fernsehen. Inwieweit sind diese authentisch?
Ehrlich gesagt kenne ich diese Sendungen kaum. Gerichtsfilme zeigen meist das amerikanische Geschworenengericht, welches sich von unserem System unterscheidet. Allgemein sind die realen Verfahren wahrscheinlich weniger spektakulär, als die Leute meinen.

Haben Sie selbst schon Fälle erlebt, die Ihnen besonders nahe gingen oder die besonders schwer waren?
Strittige Scheidungen, vor allem wenn es um Kinderbelange geht, sind schwer, da die Kinder sehr darunter leiden. Ansonsten grössere Straffälle oder auch Fälle, bei denen die menschliche Tragik dahinter sichtbar wird.

Wie schätzen Sie selbst ihre Chancen am 13. Juni ein?
Grundsätzlich ist diese Wahl nicht nur eine parteipolitische, sondern auch eine Personenwahl. Ich rechne mir intakte Chancen aus, aber letztendlich entscheiden die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger.

 
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