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So. 4. Dezember 2011 - 12:14 Uhr
Reife zur Lebensfähigkeit und das Wunder der Geburt

Kinderwunsch – «Die schönste Geburt ist, wenn kein Arzt eingreifen muss», sagt Dr. Andrea Mohr vom Kinderwunschzentrum milagro. Damit die Entbindung so ablaufen kann, braucht es einige Abklärungen in den letzten Schwanger- schaftswochen. - Clemens Pecher


 

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Zum Ende der Schwangerschaft kommt, vor der Geburt, der ärztlichen Betreuung vermehrte Bedeutung zu. Der Arzt klärt ab, ob Risikofaktoren für eine mögliche Störung des normalen Geburtsablaufes vorliegen. Unter Anderem werden die Lage des Kindes geprüft, ob das Kind normal gewachsen ist, d.h. ob es nicht zu leicht oder zu schwer für die betreffende Schwangerschaftswoche ist und ob es nicht zu viel oder zu wenig Fruchtwasser hat.
Anomalien der Fruchtwassermenge können zahlreiche Ursachen haben. So kann eine zu geringe Fruchtwassermenge Hinweise auf eine Wachstumsstörung des Kindes oder auf eine Fehlbildung der Nieren geben. Zu viel Fruchtwasser wird oft bei einer Schwangerschaftsdiabetes der werdenden Mutter beobachtet.
Weiter ist es für den Arzt wichtig, Kenntnis über zurückliegende Operationen im Genitalbereich zu haben. Auch prüft er  ob Myome (gutartige Ge- schwülste in der Gebärmutter) die Geburt behindern könnten. Bei rund 20 Prozent der Frauen über 35 Jahren bilden sich derartige gutartige Tumore. Durch die erhöhte Hormonproduktion in der Schwangerschaft werden die Myome, welche aus Muskelgewebe bestehen, zu vermehrtem Wachstum angeregt. Oft verläuft eine Schwangerschaft und Geburt trotz Myomen völlig problemlos, manchmal können sie auch zu Problemen wie Schmerzen oder Lageanomalien des Kindes führen. Ob diese Tumore entfernt werden müssen, muss im einzelnen Fall und möglichst vor der Schwangerschaft geklärt werden.
Eine wichtige Aufgabe der Schwangerenvorsorge ist die Entdeckung von Risikofaktoren für eine Frühgeburt. Ein solcher Risikofaktor ist übermässiger körperlicher oder seelischer Stress. Genügend Ruhe und Schlaf sind deshalb für jede Schwangere empfehlenswert, rät Dr. Andrea Mohr.

«Schwangerschaftsvergiftung»
Ebenfalls auf der Prüf-Liste steht die gefürchte- te «Schwangerschaftsvergiftung», eine ernst zu nehmende Krankheit, deren deutscher Name von einem überholten Irrglauben stammt. Man nahm früher an, der Auslöser davon seien kör- pereigene Gifte. Fachlich richtig bezeichnet man die Krankheit als Gestose oder Präeklampsie. Dabei kommt es zu einer Unterversorgung des Ungeborenen durch eine nicht mehr ausreichende Durchblutung des Mutterkuchens.  Durch eine frühe Abklärung seitens des Arztes kann ein Schaden für das Kind durch die Gestose jedoch verhütet werden. Hoher Blutdruck oder Eiweissausscheidungen im Urin sind Indikatoren für diese Erkrankung, welche es nur während der Schwangerschaft gibt. «Viel Ruhe und Schlaf», empfiehlt Dr. Mohr im Fall einer sich abzeichnenden Gestose, ebenso wie eine  eiweissreiche Ernährung. Bei einer schweren Gestose muss die Schwangerschaft oft frühzeitig beendet werden, um Mutter und Kind vor schweren Schäden zu bewahren.

Wird der Termin überschritten
Will das Baby nicht zum festgesetzten Termin auf die Welt kommen, spricht man von «Übertragung». «Nach drei Tagen empfiehlt sich eine Kontrolle, bis zu sieben Tage über der Zeit ist aber noch problemlos», meint der Spezialist. Lässt das Baby jedoch länger auf sich warten, steigt die Gefahr des plötzlichen Kindstods. Die Gründe, die dazu führen, sind noch nicht ab- schliessend geklärt. Die Forschung beschäftigt sich weiterhin mit dem Thema.

Zunehmend beliebt: der Kaiserschnitt
Wollen die Wehen nicht von selbst einsetzen, kann ein Kaiserschnitt die Lösung sein. Es besteht allerdings auch die Möglichkeit, die Geburt mittels Medikamenten einzuleiten. Der Kaiserschnitt liegt jedoch im Trend, bestätigt Dr. Andrea Mohr. «Immer mehr Frauen wählen diese Möglichkeit, auch in Fällen, in denen sie medizinisch nicht notwendig ist.» Er gibt aber zu bedenken, dass diese Variante auch Nachteile birgt. «Kaiserschnitt-Kinder leiden statistisch häufiger an Atembeschwerden nach der Geburt. Auch kann es negative Auswirkungen auf die Bindung zwischen Mutter und Kind haben.»
Ein weiterer Nachteil ist die abrupte Geburt, die bei Müttern das Gefühl hinterlassen kann, keine «richtige» Geburt zustande gebracht zu haben. «Das kann eine psychische Belastung sein.» Ein Kaiserschnitt bedingt auch die Eröffnung der Bauchhöhle mit den entsprechenden Komplikationsmöglichkeiten. Zudem kann der operative Eingriff dazu führen, dass anlässlich der nächsten Geburt sich die Plazenta nicht richtig lösen kann.

 
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