Thurgau – Die Thurgauer Industriekonjunktur kühlte sich im Herbst 2011 spürbar ab. Nach wie vor lebhaft war jedoch die Bautätigkeit. Die Zukunftserwartungen der Unternehmen fallen merklich vorsichtiger als bisher aus. - ID
Die drei Thurgauer Wirtschaftsverbände teilten mit, dass die Geschäftslage in der Thurgauer Industrie sich merklich eingetrübt hat. (Bild: Archiv)
Gemäss der soeben erschienenen Ausgabe des «Thurgauer Wirtschaftsbarometers», das vom Kanton Thurgau, der Thurgauer Kantonalbank und der Industrie- und Handelskammer Thurgau gemeinsam getragen wird, hat sich die Geschäftslage in der Thurgauer Industrie merklich eingetrübt. Anfang Oktober 2011 stuften nur noch 16 Prozent der von der KOF ETH befragten Thurgauer Industriebetriebe ihre Geschäftslage als gut ein; drei Monate zuvor waren es noch 26 Prozent gewesen. Gleichzeitig erhöhte sich der Anteil Betriebe mit einer schlechten Geschäftslage von zwölf auf 21 Prozent.
Zurückhaltung bei Produktion Die Industrieproduktion wurde im dritten Quartal 2011 tendenziell zurückgefahren. Im September überwogen die Betriebe, deren Produktion unter dem Vorjahresniveau blieb. Trotz zurückhaltender Produktion werden die Lagerbestände an Fertigprodukten als zu gross beurteilt; dasselbe gilt für die Vorproduktelager.
Bestellungseingang deutlich unter Vorjahresstand Die Bestellungseingänge sind im dritten Quartal von Monat zu Monat gesunken. Für den September sprachen 55 Prozent der Betriebe von spärlicheren Bestellungseingängen als im Vorjahresmonat. Nur bei 13 Prozent der Industriefirmen lagen die Bestellungen über dem Vorjahresstand. Der Auftragsbestand wurde denn auch insgesamt als zu klein bezeichnet. Dies gilt insbesondere für den Auftragsbestand aus dem Ausland, wo nur gerade drei Prozent der Betriebe von grossen, 41 Prozent hingegen von zu kleinen Auftragsbeständen sprechen. 85 Prozent der befragten Thurgauer Industriebetriebe berichteten, dass sich ihre Wettbewerbsposition gegenüber der EU im dritten Quartal weiter verschlechtert habe. Gegenüber dem aussereuropäischen Raum sprachen mehr als 60 Prozent von einer schwierigeren Lage.
Exporterfolge im dritten Quartal Nach den seit 2009 anhaltenden Exportrückgängen konnte die Thurgauer Exportwirtschaft im dritten Quartal 2011 um elf Prozent mehr exportieren als im Vorjahr. Der Zuwachs ging allerdings einzig auf die Bereiche Industriemaschinen sowie Fahrzeuge zurück, während die übrigen Branchen nach wie vor mit Absatzrückgängen auf den ausländischen Märkten kämpften. Im gesamten Dreivierteljahr von Januar bis September 2011 verbesserte sich das Exportergebnis der Thurgauer Industrie damit auf +2,4 Prozent. Vor allem nach Deutschland wurde mehr ausgeführt (+3 Prozent). Aber auch der Export in die aussereuropäischen Industrieländer, allen voran in die USA und nach Kanada, stützte das Thurgauer Ergebnis. Rückläufig entwickelte sich dagegen der Export in die meisten EU-Länder, aber auch in die asiatischen Schwellenländer.
Bis zum Frühling wenig Hoffnung auf Besserung Für das vierte Quartal 2011 überwiegt der Pessimismus. Die befragten Thurgauer Industriebetriebe gehen von einer schrumpfenden Produktion und spärlicheren Bestellungseingängen aus. Der Ausblick auf die Situation in sechs Monaten fiel im Oktober ebenfalls skeptisch aus: Mehr als jeder vierte Betrieb erwartet eine weitere Eintrübung der Geschäftslage, während nur knapp jeder Zehnte eine Verbesserung für wahrscheinlich hält. Die übrigen 65 Prozent der Firmen gehen von einer unveränderten Lage aus.
Baugewerbe noch in Schwung Die Thurgauer Baukonjunktur lief im dritten Quartal 2011 nach wie vor auf hohen Touren. Die Bautätigkeit nahm weiter zu, und die Geschäftslage verbesserte sich nochmals. Anfang Oktober beurteilten beinahe 60 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage als gut, nur sieben Prozent hingegen als schlecht. Der Auftragsbestand wird zu 90 Prozent als normal oder gross bezeichnet. Besonders gut läuft es im Ausbaugewerbe. Aber auch im Bauhauptgewerbe beurteilt man die Geschäftslage positiv, wenn auch deutlich weniger ausgeprägt. Für das vierte Quartal 2011 erwarten die Baubetriebe allerdings eine rückläufige Bautätigkeit und eine niedrigere Nachfrage. Die Betriebe gehen zudem von einer tieferen Beschäftigung und sinkenden Preisen aus.
Die neue Spitalfinanzierung führt zu einem verstärkten Wettbewerb
In der November-Ausgabe des Thurgauer Wirtschaftsbarometers erläutert zudem Susanna Schuppisser Fessler, Chefin des kantonalen Gesundheitsamtes, die Veränderungen, die man von der neuen Spitalfinanzierung erwartet. Diese tritt am 1. Januar 2012 in Kraft.
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