Thurgau – Die Aufwärtsbewegung der Thurgauer Wirtschaft hat sich im zweiten Quartal 2010 verstärkt. Die Industriebetriebe beurteilen die zukünftige Entwicklung jedoch vorsichtiger als vor drei Monaten. - ID
Den Thurgauer Betrieben geht es besser. (Bild: zvg)
Gemäss der soeben erschienenen Ausgabe des «Thurgauer Wirtschaftsbarometers», das vom Kanton Thurgau, der Thurgauer Kantonalbank und der Industrie- und Handelskammer Thurgau gemeinsam getragen wird, beurteilten die von der KOF ETH befragten Thurgauer Industriebetriebe ihre Geschäftslage Anfang Juli 2010 markant besser als drei Monate zuvor. Der Anteil der Unternehmen mit einer guten Geschäftslage kletterte sprunghaft von 12 Prozent auf 22 Prozent. Gleichzeitig meldeten weniger Betriebe (10 %) eine schlechte Geschäftslage als im Frühling (19 %). Damit gab es erstmals im laufenden Konjunkturzyklus wieder mehr «Positiv»- als «Negativ»-Meldungen.
Deutlich höhere Kapazitätsauslastung
Die Industrieproduktion zog während des gesamten zweiten Quartals deutlich an. Im Juni 2010 produzierte gut jeder zweite Thurgauer Industriebetrieb mehr als im Vorjahr, weitere 30 Prozent immerhin gleich viel. Die Kapazitätsauslastung kletterte von 77 Prozent im April auf 82 Prozent im Juli.
Bestellungseingang belebt sich spürbar
Der Bestellungseingang belebte sich im zweiten Quartal 2010 spürbar. Im Juni gingen bei zwei von drei Betrieben mehr Bestellungen ein als im Vorjahr, nur gerade 17 Prozent der Firmen berichteten von spärlicher fliessenden Bestellungen. Trotzdem wird der Auftragsbestand noch immer als zu klein bezeichnet. Insbesondere bezüglich des Auftragsbestands aus dem Ausland überwiegt die Unzufriedenheit. Die Unternehmen geben denn auch an, dass sich ihre Wettbewerbsposition im EU-Raum verschlechtert habe.
Rückläufige Exporte, rege Importe
Die Thurgauer Exportwirtschaft konnte im zweiten Quartal 2010 noch immer nicht an die im Vorjahr abgesetzten Volumina anknüpfen (Exporte -1,5 % im Vergleich zum Vorjahr). Allerdings hat sich der Exportrückgang damit deutlich abgeschwächt, hatten die Ausfuhren doch im ersten Quartal noch um 6,4 Prozent abgenommen. Im gesamten ersten Semester 2010 setzte die Thurgauer Exportwirtschaft 4 Prozent weniger ab als im Vorjahr. Besonders ausgeprägt war der Einbruch im EU-Raum, wo die Thurgauer Exporteure ein Minus von über 9 Prozent hinnehmen mussten. Im wichtigsten Absatzmarkt Deutschland wurde jedoch ein Plus von gut 7 Prozent erzielt. Markant mehr als im Vorjahr wurde zudem in die asiatischen Schwellenländer und nach China ausgeführt. Die konjunkturelle Belebung widerspiegelt sich bei den regen Importen. Diese nahmen im zweiten Quartal 2010 um gut 17 Prozent zu (erstes Quartal: +1 %). Besonders gefragt waren Rohstoffe und Halbfabrikate (+ 18 %) sowie Investitionsgüter (+26 %).
Zukunft wird vorsichtig optimistisch beurteilt
Die Thurgauer Industriebetriebe erwarten für das dritte Quartal 2010 eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung. Allerdings ist die Zuversicht bezüglich der näheren Zukunft merklich gedämpfter als noch vor drei Monaten, was mit der schwierigeren Wettbewerbsposition im EU-Raum zusammenhängen dürfte. Die Betriebe gehen von einer leicht anziehenden Produktion und geringfügig lebhafteren Bestellungen aus. Bei den Exporten rechnen sie allerdings eher mit Rückgängen. Weiter getrübt wird das Gesamtbild durch die Erwartung steigender Einkaufs- bei gleichzeitig nachlassenden Verkaufspreisen. Für den Zeitraum bis zum Jahresende 2010 sind die Thurgauer Unternehmen ebenfalls vorsichtig optimistisch gestimmt: 62 Prozent der Betriebe erwarten eine unveränderte Geschäftslage, 26 Prozent eine Verbesserung und 12 Prozent eine Verschlechterung.
Bau mit gutem zweiten Quartal
Das Thurgauer Baugewerbe hat sich im zweiten Quartal 2010 kräftig erholt. Die Betriebe meldeten überwiegend eine regere Bautätigkeit, und deutlich mehr Baubetriebe als im Frühling stuften ihre Geschäftslage als gut ein. Allerdings sind die Zukunftserwartungen verhalten, die Betriebe gehen bis zum Herbst von gleichbleibenden Auftragseingängen aus. Im Detailhandel hat sich die Geschäftslage vorab für mittlere und grössere Betriebe verbessert.
Mentoring hilft, wenn die Lehrstellensuche besonders schwierig ist
Im Weiteren wird in der August-Ausgabe des «Thurgauer Wirtschaftsbarometers» Mentoring Thurgau vorgestellt. Das Programm begleitet Jugendliche beim Übergang von der Schule in den Beruf und wird vom Kanton Thurgau und dem Thurgauer Gewerbeverband getragen. Gemäss Programmleiterin Christine Stoppa konnte seit der Lancierung im Jahr 2006 bereits für rund 200 Schulabgängerinnen und Schulabgänger mit Hilfe von Mentoring Thurgau eine Lösung gefunden werden.
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